Den Pulsschlag der Natur im Sucher

Wenn wir gefragt werden, welchen Beruf wir ausüben, und wir antworten: „Wir sind Naturfotografen“, dann blicken wir meistens in fragende Augen. Naturfotografen, sind das diese Spinner, die tagelang hinter irgendwelchen Tieren nachschleichen, um dann mit einem einzigen Bild nach Hause zu kommen? Und wie wird man eigentlich Naturfotograf? Gibt es da eine Ausbildung oder gar eine „Naturfotografenschule“? Fragen wie diese zeigen uns immer wieder, dass sich nur sehr wenige vorstellen können, wie unsere Arbeit tatsächlich aussieht. Darum versuchen wir hier unsere Leidenschaft zu beschreiben und anhand einiger Beispiele und Geschichten einen Einblick in unseren Tagesablauf zu geben. Damit sind wir schon beim Kern der Sache: Naturfotograf ist eigentlich gar kein Beruf, sondern eine Berufung. Man kann den Job auch nicht wie jeden anderen erlernen. Das Lernen geschieht viel mehr, indem man vieles einfach versucht und ausprobiert. Und noch etwas, es wird wohl nur wenige Naturfotografen geben, die von Kindheit an hier ihren Traumjob gesehen haben. Diesen Beruf kann man nämlich auch nicht planen, der „passiert“ einfach so.

Zweifelsfrei ist die Naturfotografie jener fotografische Bereich mit der größten Vielfalt an Motiven. Die Auswahl reicht von winzig kleinen Lebewesen bis hin zu riesigen Bergen. Allein die Tierwelt umfasst mehr als eine Million Arten und jede davon bietet Stoff für gleich mehrere Bücher. Um alle diese Motive fotografisch erfassen zu können, ist eine reichhaltige Palette von Objektiven, Kameras, Stativen und anderen Hilfsmitteln notwendig. Naturfotograf zu sein bedeutet drei Berufe gleichzeitig zu haben, zumindest ist das dann so, wenn man ein Kleinunternehmen ist, so wie wir eines sind. Da ist einmal der Fotograf, der seine Ausrüstung beherrschen muss und in der Lage sein sollte, gute Bilder damit zu machen. Und dann ist da der Biologe, der über Pflanzen und Tiere bestens Bescheid wissen sollte. Schlussendlich müssen die Bilder an den Mann gebracht, sprich verkauft werden. Da wird dann der Naturfotograf zum „Geschäftsmann“ und muss sich um Kunden bemühen, Angebote schreiben oder Steuererklärungen ausfüllen. Nur diese Kombination macht es möglich, Naturfotografin oder Naturfotograf zu sein. Halt, da hätten wir jetzt bald etwas Wichtigstes vergessen: Naturfotografen brauchen auch zwei wichtige Eigenschaften, sie müssen Ausdauer und Geduld besitzen, sonst nützen die Kenntnisse in der Fotografie und Biologie nur wenig.

Um Fröschen, Libellen und anderen wassergebundenen Lebewesen nahe zu kommen, verwenden wir eine Wathose und steigen damit ins meist kühle Nass.
Bei dieser Art der Fotografie kann man versuchen die Kamera möglichst knapp über der Wasseroberfläche zu positionieren. Dadurch erhält man einen sehr flachen Blickwinkel und die Bilder bekommen einen eigenen Reiz.

Natürlich bringt diese Arbeitsweise unweigerlich Gefahren mit sich – nicht unbedingt für den Fotografen – aber sicher für die Fotoausrüstung. Wir kennen einige Fotografen die bei der Arbeit im oder am Wasser viele tausend Euro teuere Kameras und Objektive versenkt haben. Uns selbst ist das noch nicht passiert, wir versuchen sehr sorgfältig zu arbeiten, besonders wenn wir ein Stativ verwenden. Hier besteht immer die Gefahr, dass das Dreibein unsicher steht, sich plötzlich zur Seite neigt um Sekundenbruchteile später im Wasser zu versinken!

Wir kennen einige Naturfotografen, die in ihrer Freizeit diese Art der Fotografie betreiben. Da diese Menschen ja noch einen „richtigen Beruf“ haben, der einen großen Teil ihrer Zeit beansprucht, haben sich einige auf einen bestimmten Bereich der Naturfotografie spezialisiert. Muss man jedoch von dieser Art der Fotografie leben, dann ist es notwendig, alle Bereiche abzudecken.
Die Naturfotografie konzentriert sich auf drei Themen: Landschaften, Pflanzen und Tiere. Was die beiden letztgenannten angeht, so gibt es hier noch eine spezielle Art der Naturfotografie, nämlich die Makrofotografie. Bei diesen Nahaufnahmen dringt man mit der Kamera in Bereiche vor, die unserem Auge im Normalfall verborgen bleiben. Dabei wird die faszinierende Welt der Insekten, der Blätter etc. sichtbar. Welches dieser drei Themen das schwierigste ist, ist schwer zu beantworten. In jedem Bereich werden an den Fotografen unterschiedliche Ansprüche gestellt. Will man beeindruckende Landschaften festhalten, bedeutet das oft, dass man weit reisen muss, oder, so wie es sich in Tirol darstellt, oft sehr weite Fußmärsche auf sich nehmen muss. Da Tirol zum Großteil aus Bergen besteht, heißt das auch, steile und anstrengende Auf- und Abstiege bewältigen zu müssen.
Meist ist es notwendig, einen fotogenen Platz mehrmals aufzusuchen, um ansprechende Stimmungen und „das richtige Licht“ zu erhaschen. Dabei sind die frühen Morgenstunden und das letzte Licht des Tages besonders attraktiv. Um diese Stunden ohne Zeitdruck zu erleben, bleiben wir oft vor Ort und übernachten in den Bergen. Das dichte Netz an Alpenvereinshütten ist hier sehr hilfreich, aber auch im Zelt oder unter freiem Himmel haben wir schon so manche Nacht im Gebirge verbracht.
In Tirol haben Landschaftsfotografen noch mit einem anderen Umstand zu kämpfen. Fast überall finden sich menschliche Spuren, sei es eine Seilbahn am gegenüber liegenden Berghang, eine Forststraße oder nur ein Wegweiser. Solche Dinge gehören nicht auf ein Naturfoto, hier erwartet der Betrachter „Natur pur“. Daher ist es manchmal fast eine Kunst, Landschaftsbilder so zu gestalten, dass man diese Dinge nicht sieht.

In den Europäischen Alpen, dem bevorzugten Gebiet für unsere Naturfotografie, gibt es nur wenige Stellen, die ohne körperliche Einsatz zu erreichen sind. Oft sind die Wege zu unseren Motiven sehr weit und steil! Wenn das „Objekt unserer Begierde“ dann noch weiter oben im Gelände unterwegs ist, wird die Fotoarbeit zur Schwerstarbeit. Hier versucht Heidi eine Gämse zu fotografieren, die auf einem felsigen Hang über uns unterwegs war.

Oft fotografieren wir im letzten Licht des Tages. Besonders in der Landschaftsfotografie  sind die warmen Farben der letzten Sonnenstrahlen reizvoll. Den Heimweg gehen wir dann manchmal auch bei Dunkelheit, ausgerüstet mit Stirnlampen. Auf diesem Bild genießt Heidi sichtlich die letzte Wärme der Sonne!

Bei der Fotografie von Wildpflanzen wird man auf ganz andere Weise gefordert. Hier ist es vor allem die Fülle an Lebewesen, (es gibt allein in Tirol schon etwa 10.000 Arten), und deren vielfältige Erscheinungsformen. Angefangen bei den ca. 3.000 Blütenpflanzen über die oftmals winzigen Moose, Flechten und Pilze bis hin zu den Sträuchern und Bäumen, wartet hier ein unerschöpfliches Betätigungsfeld. Beste Kenntnisse der Pflanzenbiologie sind notwendig, um Standort, Zeit des Wachstums oder Blütezeit zu wissen. Auch biologische Zusammenhänge sind wichtig. So gibt es viele Arten des Zusammenlebens von Pflanzen mit Tieren, so genannte Symbiosen, die interessante Motive ergeben. Viele Naturfotografen verfallen bei dieser Motivvielfalt in eine Art Sammelleidenschaft. So wie andere Briefmarken sammeln, horten sie Pflanzenbilder. Dabei vergessen sie oft auf einen wichtigen Aspekt der Fotografie: die künstlerische Gestaltung eines Bildes. Es ist zum Beispiel gar nicht so leicht, eine einzelne Pflanze aus dem Wirrwarr einer Wiese fotografisch herauszupicken und harmonisch abzubilden. Meist erweist sich ein lebhafter Hintergrund als störend und nimmt dem Bild die Ruhe. Da heißt es die technische Seite der Naturfotografie hervorzukehren und über die Wahl des Objektivs und der Kameraeinstellungen zum Ziel zu gelangen. Wenn wir Pflanzen fotografieren, verwenden wir meist mehr Zeit mit der Gestaltung des Hintergrunds als mit dem eigentlichen Motiv. Dabei haben sich schon so manche Menschen über uns gewundert, wenn sie uns am Bauch liegend oder zwischen den Stativbeinen am Boden kauernd vorgefunden haben.

Eine kleine Geschichte, die in einer solchen Situation passiert ist: Reinhard war im Wald unterwegs, um Pilze abzubilden. Auf einem vermoderten Ast fand er ein winziges Exemplar mit einer leuchtend blauen Kappe. Er platzierte sein Stativ direkt über dem Pilz und montierte die Kamera verkehrt herum (siehe Bild). Dann breitete er einen Plastiksack auf den nassen Boden und  legte sich darauf, den Kopf nahe am Boden, um durch die Kamera blicken zu können. Ganz mit dem Motiv beschäftigt, hörte er Schritte auf sich zukommen und dann fragende Stimmen: „Brauchen Sie Hilfe, ist Ihnen übel geworden oder sollen wir einen Arzt holen?“. Zwei ältere Damen standen mit sorgenvollem Blick direkt hinter ihm. Mit etwas Mühe krabbelte Reinhard unter dem Stativ hervor und versuchte den beiden sein Tun zu erklären. Grinsend und kopfschüttelnd wanderten die Seniorinnen dann weiter und Reinhard schlüpfte wieder hinunter zu seinem kleinen Pilz.

Nun von der Pflanzen- zur Tierfotografie: Wir wagen zu behaupten, dass sie die „Königsklasse“ der Naturfotografie darstellt. Tiere halten wir für die spannendsten und schwierigsten Motive in der Natur. Auch technisch werden hier an die Ausrüstung und den Fotografen die höchsten Ansprüche gestellt. Es braucht starke Teleobjektive und ein stabiles Stativ, um Tiere entsprechend abbilden zu können. Von Laien wird die Leistung von Teleobjektiven oft maßlos überschätzt. Dazu ein Beispiel: Ein Reh am Waldrand scheint mit einem durchschnittlichen Fernglas aus einer Entfernung von 100 Metern schon zum Greifen nahe, dagegen wird selbst mit einem starken Teleobjektiv das Tier nur etwa vier Millimeter groß am Sensor (z.B. 24 x 36 mm) dargestellt. Um es „bildfüllend“ zu fotografieren, muss der Naturfotograf auf etwa 30 Metern an das Reh heran. Da unsere Wildtiere sehr scheu sind, ist diese Annäherung ohne Hilfsmittel meist nicht möglich. Wir verwenden dazu eine ganze Reihe unterschiedlicher Verstecke, von der fix installierten Hütte über transportable Tarnzelte bis zu einem schwimmenden Versteck für Aufnahmen knapp oberhalb des Wasserspiegels.

Ein kleines, sehr leichtes und schnell auffaltbares Zelt eignet sich besonders gut für kurze Einsätze.

Der Transport der Ausrüstung ist sehr aufwändig. Das Teleobjektiv, die Kamera, das Stativ, das Tarnzelt und ein kleiner Hocker, etwas zum Essen und Trinken sowie ein gutes Buch für die oft lange Wartezeit, sind unsere Minimalausrüstung. Verpackt wird die teure Kamera und das noch teurere Objektiv in einen gut gepolsterten Fotorucksack. Der Rest wird umgehängt oder geschultert und dann heißt es schleppen. Wo es geht, verwenden wir einen kleinen Transportwagen oder ein Fahrrad. Beides erleichtert den Transport erheblich.

Bei der Tierfotografie werden Ausdauer und Geduld oft auf eine harte Probe gestellt. Wir haben uns da persönlich einen Leitsatz zurechtgelegt: „Fünf Stunden zu warten, kann fünf Minuten zu wenig sein“. Und obwohl wir uns diesen Satz immer wieder in Erinnerung rufen, kommt es manchmal vor, dass wir einmalige Gelegenheiten verpassen. Dazu wieder eine kleine Geschichte: Im Frühjahr 2000 sah Reinhard in der Nähe unseres Heimatortes Schwaz einen Schwarzmilan fliegen. Im Normalfall ist das eigentlich nichts Besonderes, diese großen Greifvögel sind Zugvögel und passieren im Frühling regelmäßig das Inntal. Diesen Vogel sah er jedoch mehrmals im selben Gebiet und unser Freund und Tierarzt Christian Messner, wie wir ein leidenschaftlicher Naturfotograf, hatte ihn ebenfalls dort beobachtet. Ein Telefonat mit dem zuständigen Berufsjäger Hans Kohler bestätigte unsere Beobachtungen, auch er hatte den Vogel mehrmals gesichtet. Von da an beschäftigte sich Reinhard intensiver mit dem Tier. Es dauerte einige Tage und er entdeckte einen zweiten Schwarzmilan. Die Vögel waren jetzt gemeinsam unterwegs und ihr Aktionsradius schränkte sich immer mehr auf einen steilen Felshang mit einzelnen Kiefern ein. Ein Absuchen des Gebietes mit dem Fernglas brachte dann die Gewissheit: Die Milane waren mit dem Bau eines Horstes in einer alten Kiefer beschäftigt. Eine Nachfrage beim Landesmuseum und bei einigen Ornithologen ergab, dass es bis jetzt nur einen einzelnen Nachweis einer Brut aus dem Jahr 1971 in Nordtirol gab. Schwarzmilane sind Wärme liebende Vögel und die Klimaerwärmung hatte jetzt wohl auch Nordtirol zu einem attraktiven Brutgebiet werden lassen. Immer wieder beobachtete Reinhard die grandiosen Flugkünste der beiden, sah wie sie ihre Jungen aufzogen und konnte auch die ersten Flugversuche der Jungmilane miterleben. Im Jahr 2001 reifte dann sein Gedanke, die Schwarzmilane zu fotografieren. Er zog einschlägige Literatur zu Rate und las, dass Schwarzmilane gerne Aas fressen. Gemeinsam mit dem Berufsjäger versuchte er die Vögel mit Futter anzulocken – leider ohne Erfolg. Auch im folgenden Jahr misslangen diese Versuche und Reinhard hatte die Hoffnung auf ein Bild so gut wie aufgegeben.
Im Jahr 2005 ergab sich dann unerwartet doch noch eine Möglichkeit. Hans Kohler rief Reinhard an, er hatte ein von einem Auto überfahrenes Reh gefunden. Reinhard entschloss sich zu einem erneuten Versuch, damit die Milane, die auch in diesem Jahr wieder den Horst bezogen hatten, anzulocken. An einem ruhigen und versteckten Platz präsentierte er ihnen das Futter. Am folgenden Tag fuhr er mit seinem Auto nahe dieser Stelle vorbei und sah einen Milan im Sturzflug auf den Futterplatz zusteuern. Auf dem Rückweg kletterte Reinhard zum Reh hinauf und bemerkte, dass der Milan bereits davon gefressen hatte. Schnell baute er ein Tarnzelt auf und am nächsten Morgen legte er sich auf die Lauer. Es dauerte nicht lange und er hörte den jammernden Ruf eines Milans über sich. Bald darauf ein kurzes Rauschen und er saß vor Reinhard, sein erster Schwarzmilan.
Der Finger lag am Auslöser und Bild für Bild landete auf der Speicherkarte der Kamera. Stundenlang erfolgte Anflug auf Anflug. Abwechselnd kamen die Greifvögel und holten Futter für die fast flüggen Jungen. Anscheinend brauchten die Jungmilane in dieser Phase so viel Nahrung, dass ihre Eltern jede mögliche Quelle nutzen mussten.
Kurz vor Mittag, Reinhard hatte schon mehr als hundert Bilder im Kasten, brach er das Fotografieren ab, packte seine Ausrüstung zusammen und wollte gerade aus dem Zelt schlüpfen, als er den Ruf eines anfliegenden Milans hörte. Um die Tiere nicht zu beunruhigen, beschloss er zu warten, bis der Vogel wieder fort war. Dann geschah jedoch etwas Einmaliges: Der zweite Altvogel ließ sich direkt neben seinem Partner auf einer alten Wurzel nieder und zärtlich begannen die Tiere mit der gegenseitigen Gefiederpflege. So ein Verhalten hatte Reinhard in der freien Natur noch nie beobachtet! Ihm blieb nur mehr der Blick aus dem Tarnzelt und die Speicherung der Bilder in seinem Kopf. Mit zweigeteilten Gefühlen erinnerte er sich an seinen Leitsatz: „Fünf Stunden zu warten, kann fünf Minuten zu wenig sein“. Einerseits hatte Reinhard das erste Mal in seinem Leben Fotos eines Schwarzmilans gemacht, andererseits eine einmalige Situation verpasst!

Wir verwenden Beobachtungskameras, um unsere Fotoplätze zu „überwachen“. Die Kameras sind immer vor Ort und registrieren jede Bewegung. Sie zeichnen bei jedem Bild das Datum und die Uhrzeit auf – so wissen wir genau, wann Tiere vor Ort waren und können so viel gezielter fotografieren. Früher mussten wir dieses Wissen durch sehr mühsame Beobachtungen erwerben, jetzt übernehmen diese Geräte die Arbeit.

Tierfotografie bedeutet für uns aber auch noch etwas ganz anderes, nämlich ein hohes Maß an Verantwortung und Rücksicht gegenüber dem jeweiligen Lebewesen. Wenn wir, ohne ein Versteck zu verwenden, fotografieren und einem Tier unsere Anwesenheit dadurch bewusst ist, versuchen wir immer sein Wohlbefinden zu erahnen. Manchmal sind es kaum merkbare Hinweise, die uns sagen, dass wir jetzt zu nahe sind oder unsere Anwesenheit nicht erwünscht ist – dann ziehen wir uns zurück! Kein Foto ist es wert, einem Tier zu schaden.
Eine große Einschränkung bei der Tierfotografie, zumindest in weiten Teilen Europas, ist die Scheu der Tiere vor dem Menschen. Der Grund dafür ist die jahrhundertelange Bejagung, bei der immer die zutraulichen und unbekümmerten Tiere zuerst erlegt wurden und die vorsichtigen, scheuen und misstrauischen überlebten. Wie wir von Darwins Evolutionstheorie wissen, entwickeln sich Lebewesen aufgrund solcher Erfahrungen entsprechend weiter und so wurde es auch von Generation zu Generation immer schwieriger, sich den Wildtieren zu nähern.

Im Gebirge ist der Transport der Fotoausrüstung immer eine schweißtreibende Sache. Um Gewicht zu sparen verwenden wir gerne Einbeinstative! Zusätzlich zur Gewichtseinsparung sind wir damit auch sehr viel wendiger. Im Gelände ist die Positionierung eines Dreibeinstatives oft schwierig und braucht viel Zeit. Mit dem Einbein geht das einfacher und schneller. Außerdem können wir das Stativ in steilem Gelände auch als Bergstock verwenden und uns dadurch sicherer fortbewegen.

In anderen Gegenden der Erde gestaltet sich die Tierfotografie wesentlich einfacher. Unser Lieblingsgebiet ist diesbezüglich der Yellowstone-Nationalpark in den nordamerikanischen Rocky Mountains. Dieser Park wurde 1872 gegründet und war somit der erste Nationalpark der Welt.
Seine Größe entspricht etwa der von Nordtirol. In vielen Teilen gleichen sich auch die Landschaften, und im Yellowstone leben heute noch jene Tiere, die einst auch Nord-, Süd- und Osttirol bevölkert hatten. Trotz einer Besucherzahl von weit über zwei Millionen pro Jahr und unzähliger Freizeitaktivitäten wie Klettern, Raften und Mountainbiken, zeigen die Wildtiere kaum Scheu vor dem Menschen. Im Nationalpark wird nicht gejagt und die Tiere haben schlichtweg vergessen, sich zu fürchten.
Einen sehr hohen Stellenwert bei unserer Fotoarbeit nimmt die Makrofotografie ein. Nahaufnahmen von Blüten, Insekten, Pilzen und anderen Kleinlebewesen faszinieren uns ungemein. Der Blick durch den Sucher eröffnet eine eigene und großteils unbekannte Welt. Eine Welt, die nicht im normalen Blickfeld von uns Menschen liegt und nur mit Hilfe von Spezialobjektiven einsehbar wird.
Makrofotografie unterliegt eigenen Gesetzen. Das beginnt schon bei der idealen Tageszeit und Beleuchtung. Wenn wir zum Beispiel unterwegs sind, um Bilder von Insekten zu machen, dann starten wir schon sehr früh, meistens vor dem ersten Morgengrauen. Am liebsten ist uns, wenn der Himmel bewölkt ist. Absolute Windstille ist eine weitere Voraussetzung – denn der kleinste Hauch erscheint beim Blick durch das Okular der Kamera wie ein Orkan. Gut ist auch, wenn es am Morgen sehr kühl ist. Denn dann sitzen die Insekten unbeweglich da und warten auf die Wärme der Sonne. All diese Faktoren treffen gerne im späten Sommer zusammen, dazu kommt noch, dass sich in dieser Zeit oft Tau auf den Insekten niederschlägt, der einen zusätzlichen optischen Reiz bietet.
Unverzichtbar ist bei der Makrofotografie ein stabiles und flexibles Stativ. Oft hat man wenig Licht zur Verfügung und es entstehen dadurch lange Belichtungszeiten. Zudem braucht man eine Hand, um die Kamera zu bedienen und die andere um das Motiv auszuleuchten. Dafür haben wir noch nie ein Blitzgerät verwendet. Das Blitzlicht ist uns für diese Art der Fotografie viel zu hart und unnatürlich. Gut dagegen funktioniert die gezielte „Umleitung“ des Tageslichtes mit Hilfe einer reflektierenden Folie. Diese Reflektoren sind im Fachhandel erhältlich.
Als Stativ für Nahaufnahmen gibt es für uns eigentlich nur ein brauchbares Modell, nämlich das der englischen Firma Benbo. Dieses Stativ ist ein Wunder an Flexibilität und man kann es an jedem beliebigen Ort aufbauen. Die drei Beine lassen sich in jedem Winkel und beliebig hoch positionieren und die um 360° drehbare Mittelsäule erlaubt jede erdenkliche Kameraposition. Das Stativ hat einen zentralen Spannhebel, der die Beine und gleichzeitig die Mittelsäule fixiert. Ist der Spannhebel geöffnet, pendeln die drei Beine unkontrolliert durch die Gegend und es braucht schon einige Übung, um mit diesem Stativ klarzukommen. Wir könnten uns unsere Arbeit ohne das Benbo-Stativ nicht mehr vorstellen, es hat uns noch in keiner Situation im Stich gelassen.

In der riesigen Gebirgswelt erscheint man als Fotograf oft ganz winzig. Fotografisch ist es eine Herausforderung, diese gewaltigen Dimensionen am Bild festzuhalten. Hier versucht ein lieber Freund, Fabio Hain aus dem Tiroler Stubaital, die Landschaft um den Großglockner auf den Sensor zu bannen.

Ein Umstand, der uns oft zu schaffen macht, sind widrige Witterungsverhältnisse. Besonders im Winter schränkt die Kälte unsere Arbeit manchmal sehr ein, und es braucht schon einige Hilfsmittel, um einen klirrenden Wintermorgen im winzigen Tarnzelt gut zu überstehen. Hat es draußen unter 0 Grad Celsius und man kann sich frei bewegen, ist das nicht so dramatisch – durch die Bewegung bleibt der Körper warm. Im engen Versteck ist es mit der Bewegung schnell vorbei und langsam kriecht die Kälte in alle Körperteile. Besonders die Füße sind hier sehr anfällig, und wenn diese eiskalt sind, dann schlottert man bald am ganzen Körper.
Wegen dieses Problems haben wir uns eine Heizung für unsere Schuhe angeschafft. Zwei Akkus sorgen für die nötige Energie und kleine Heizflächen unter den Zehen halten die Füße für mehrere Stunden wohlig warm. So lässt es sich im Tarnzelt schon einige Zeit aushalten. Auch zu diesem Thema eine kleine Geschichte: An einem eisigen Wintertag lag Reinhard mit seiner Kamera auf der Lauer, um Vögel zu fotografieren. Die Schuhheizung lieferte ihm gute Dienste und auch an Motiven mangelte es nicht. So vergingen einige spannende Stunden, bis ihn sein Magen lautstark erinnerte, dass es bald Mittag war. Reinhard beschloss sich auf den Heimweg zu machen, packte seine Ausrüstung in den Fotorucksack und klappte das Stativ zusammen. Nachdem er den Reißverschluss des Zeltes geöffnet hatte, wollte er hinausklettern, aber irgendwas hielt ihn am Boden fest! Er rutschte zurück ins Zelt und suchte nach der Ursache. Was er dann entdeckte, konnte er zuerst gar nicht glauben: Seine Schuhe waren am Boden festgefroren! Der Grund dafür war unsere geliebte Schuhheizung. Diese hatte nicht nur seine Zehen warm gehalten, sondern auch den Schnee unter den Schuhen zum Schmelzen gebracht. Als dann die Leistung der Akkus langsam nachließ, bildete sich eine dünne Eisschicht unter den Stiefeln und fixierte diese am Boden. Reinhard musste aus den Schuhen herausschlüpfen, um sie durch seitliche Schläge freizubekommen. Der Heimweg fiel ihm an diesem Tag besonders leicht, denn immer wieder musste er an sein Missgeschick denken und herzlich darüber lachen.

Manchmal macht man als Naturfotograf Sachen, bei denen man sich besser nicht beobachten lassen sollte und die für Außenstehende vollkommen unverständlich erscheinen mögen. Hier arbeitet Reinhard als „Landschaftspfleger“ und versucht eine glatte Schneefläche zu erzeugen. Die Vorgeschichte dazu ist folgende: Wir hatten einen Winteransitz errichtet, dort fotografierten wir Vögel, vorrangig hatten wir es auf Mäusebussarde abgesehen. Wir präsentierten den Vögeln Fleischreste und die Tiere ließen nicht lange auf sich warten. Vollkommen ausgehungert und geschwächt durch den langen und harten Winter, kamen sie in großer Zahl. Wir hatten einige Äste als Anflugmöglichkeit für die Bussarde in den Schnee gesteckt und diese wurden von ihnen auch gerne benutzt. Dann kam es jedoch zu Situationen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Durch die Vielzahl der Vögel ließen sich oft mehrere gleichzeitig am Boden nieder und es kam immer wieder zu Streitigkeiten um das Futter. Wir konnten diese spannenden Momente aber nur bedingt fotografieren, weil der Schnee durch die eigenen Fußspuren viele Unebenheiten aufwies und die Vögel dadurch oft teilweise verdeckt wurden. Um wieder ungestört fotografieren zu können, mussten wir die Landschaft in mühevoller Arbeit einebnen. Der nächste Schneefall erledigte den Rest und der Mühe Lohn waren einige gute Bilder.

Abschließend schildern wir noch ein wenig unsere Arbeit, die nicht in der freien Natur, sondern im Büro zu erledigen ist. Der größte Teil davon ist die Bearbeitung und Verwaltung unserer Bilder am Computer. Seit dem Einzug der Digitalfotografie hat sich sehr viel verändert. Im Frühling 2005 entschloss sich Reinhard, nach langem Zögern, eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen. Wie sich im Nachhinein herausstellte, war dieser Zeitpunkt ideal. Davor war diese Technik noch zu wenig ausgereift und Digitalfotografen kämpften mit großen Problemen. Reinhards erste Digitale erwies sich jedoch als zuverlässige Kamera und auch die Bildqualität war beeindruckend. Zudem gab sie ihm die Möglichkeit, das Ergebnis der Fotografie gleich am Ort kontrollieren zu können. Im Bereich der Naturfotografie hat man oft nur einmal die Chance auf ein bestimmtes Motiv. Als Reinhard noch mit Diafilmen arbeitete, dauerte es zumindest zwei Tage, bis er das Ergebnis in Händen hielt – und war das Resultat nicht zufrieden stellend, war es meistens zu spät für einen nochmaligen Anlauf. Inzwischen hat sich die Qualität der Digitalkameras noch einmal entscheidend verbessert und wir sind bestrebt unsere Geräte am neuesten Stand zu halten um eine hervorragende Bildqualität zu erreichen. Auch im Bereich der Bildbearbeitung hat die Digitaltechnik völlig neue Welten erschaffen. Begann es früher damit, die Diafilme mühevoll zu sichten und das gute Material zu rahmen und einzuscannen, so wandern heute die Bilddaten direkt von der Kamera in den Computer und es bedarf nur weniger Arbeitsschritte um die Bilder zu bearbeiten. Dabei beschränken wir uns lediglich darauf, die exakten Farben und die Helligkeit des Bildes an das Original anzupassen. Jede andere Bildbearbeitung hat aus unserer Sicht im Bereich der Naturfotografie nichts verloren, ein Naturfoto muss immer authentisch sein.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit spielt sich im Büro ab, die Bearbeitung und Vermarktung unserer Bilder.

Wir hoffen unsere Arbeit als Naturfotografen etwas transparenter gemacht und dabei auch etwas von unsere Naturbegeisterung weitergegeben zu haben. Unsere Natur ist so bedroht wie nie zuvor und braucht viele Verbündete. Diese vielfältige Bedrohung kann man jedoch nur erkennen, wenn man die Natur versteht!