Artikel 2014-4: Die „Littlewood-Ranch“ ist fertig!

Bevor ich unser jetzt fertiggestelltes Projekt „Littlewood-Ranch“ vorstelle, möchte ich einen Blick in die Vergangenheit machen: Der Dezember 2011 war für Heidi und mich ein sehr wichtiger Monat – wir unterzeichneten den Kaufvertrag für ein Grundstück im Südburgenland. Nach längerer erfolgloser Suche in unserem Heimatland Tirol beschlossen wir im südlichen Burgenland, also im von uns entferntesten Winkel von Österreich, nach einem geeigneten Grundstück für ein spannendes Projekt zu suchen. Mehrere Fotoreisen in diese Gegend hatten unsere Begeisterung für diese Landschaft, die so gänzlich anders als das Gebirgsland Tirol ist, geweckt.
Unsere Vorstellungen bezüglich der Größe und Beschaffenheit des Grundstückes waren am Beginn unserer Suche nicht ganz eindeutig definiert. Wir wussten eigentlich nur eines, es sollte sich so gestalten lassen, dass wir dort ein Refugium für die Natur und einen guten Platz für unsere Naturfotografie schaffen könnten. Nachdem wir einige Grundstücke besichtigt hatten, konkretisierten sich unsere Vorstellungen langsam in eine bestimmte Richtung: Das Grundstück sollte relativ groß sein, aber nicht so groß, um an der Pflegearbeit zu ersticken. Es sollte Wasser vorhanden sein, also eine Quelle, ein Bachlauf, oder gar ein Teich – jedenfalls eine Möglichkeit um eine Gestaltung mit dem nassen Element vornehmen zu können. Weiters träumten wir von Sträuchern und Bäumen, oder einem kleinen Wald. Eine ruhige Lage und die leichte Erreichbarkeit waren ebenfalls wichtige Kriterien.
Nach drei mehrtägige Reisen mit unserem Wohnmobil und den Besichtigungen von etwa 30 Grundstücken fanden wir, wonach wir suchten – ein Makler zeigte uns eine ehemalige Fischzucht im Bezirk Güssing. Das Grundstück war fast 7000 Quadratmeter groß, es gab zwei große Teiche, einen kleinen Wald, eine Trinkwasserquelle, eine zweite Quelle zur Speisung der Teiche und ein kleines Holzhäuschen. Obwohl einiges an Arbeit zu erwarten war, hatten wir von Anfang an das Gefühl hier zu einem Ergebnis kommen zu können, das unseren Vorstellungen entsprechen würde.
Wir hatten unseren Traum gefunden! Am 5.12.2011 unterschrieben wir den Kaufvertrag!
     

Das Jahr 2012:

In diesem Jahr konzentrierte sich unsere Arbeit auf das kleine Holzhaus: Wir bauten eine Kochecke ein und gestalteten das Innere nach unseren Vorstellungen zu einem gemütlichen zweiten Zuhause. Wir kümmerten uns um den Anschluss an das Stromnetz und ergänzten die Ausstattung mit allem Notwendigen um hier wohnen zu können. Weiters planten wir die Umgestaltung der Fischteiche zu Naturteichen und überlegten uns, wie wir unserer Grundstück möglichst attraktiv für viele wild lebende Tiere gestalten könnten.

Hier liegt unser Grundstück, in Limbach im Bezirk Güssing.

So hat es im Frühling 2012 ausgesehen.

Der Wohnraum des kleinen Holzhauses im Frühling 2012.

Was fehlte war eine Küchenecke, hier der Zustand beim Kauf.

Ende 2012 war unser Wohnraum weitgehend fertig.

Die Küchenecke im Oktober 2012.

Das Jahr 2013:

2013 war das Jahr der großen Umgestaltung der Teiche! Die Planungsarbeiten hatten wir abgeschlossen und mit der Erdbaufirma Walter Medl einen kompetenten und verlässlichen Partner gefunden. Im Mai starteten wir dann den „Großangriff“!
Einige Details zur Umgestaltung der Teiche:
Unsere Vorbesitzer hatten die beiden Teiche trocken gelegt. Sie hatten eine kleine Tochter und diese Vorsichtsmaßnahme schien ihnen notwendig. Für uns war das eine wesentliche Erleichterung – wir konnten ohne weitere Maßnahmen mit der Umgestaltung beginnen.
Ursprünglich waren die zwei Gewässer als Fischteiche konzipiert. Sie waren auf ein möglichst großes Fassungsvermögen ausgelegt und hatten deshalb eine rechteckige Form mit sehr steilen Uferzonen. Aus früheren geologischen Gutachten war ersichtlich, dass der Bodenaufbau gänzlich aus wasserdichtem Lehm bestand, das gab uns die Möglichkeit einer freien Umgestaltung. Wir planten den zwei bestehenden Teichen einen rundlichen Uferverlauf zu geben und die Böschungen zu verflachen. Einen dritten, kleinen und flachen Teich wollten wir neu anlegen.
Am 21.Mai begannen die Erdarbeiten und an diesem Tag lernten wir einen Menschen kennen, der sehr wesentlich zum Gelingen der Umbauarbeiten beitrug. Es war der Baggerfahrer David Feiertag. David hatte ein bestechendes Feingefühl beim Umgang mit seinem schweren Raupenbagger und verstand alle unsere Wünsche auf Anhieb. Es war eine Freude mit ihm zu arbeiten! David setzte die vorher kurz besprochenen Teilschritte der Umgestaltung in perfekter Form um.
Am 30. Mai konnten wir die Erdarbeiten mit dem Anschluss unseres kleinen Holzhauses an das öffentliche Kanalnetz abschließen. In diesen recht turbulenten Tagen ist uns David ein guter Freund geworden und wir sehen ihn und seine Familie seither in regelmäßigen Abständen.
Im Sommer begannen wir mit der Bepflanzung des Grundstücks mit Wildsträuchern. Wir setzten ca. 120 heimische Pflanzen, vorwiegend beerentragende Sträucher wie Pfaffenhütchen, Berberitze und Schneeball. Die zwei großen Teiche besetzten wir mit Rotfedern und Elritzen, beides sind heimische Fischarten.

Schweres Gerät auf unserer Baustelle.

Langsam nehmen die Gewässer Form an! Hier der mittlere der drei Teiche.

Er hat wesentlichen Anteil am Gelingen der Umgestaltung.
David Feiertag – unser perfekter Baggerfahrer.

David in seinem Raupenbagger bei der Arbeit am großen Teich.

Im Vordergrund der kleine Teich, nur einige Meter groß
und mit sehr flachem Wasser. Im Hintergrund der mittlere
der drei Teiche, etwa 30 Meter lang und 15 Meter breit.

Der größte Teich, mit einer Länge von 70 Metern. An der
breitesten Stelle misst er 30 Meter und ist 3 Meter tief.
Langsam füllt auch er sich mit Wasser.

Das heurige Jahr:

Das Jahr 2014 war für uns besonders interessant: Wir konnten die Besiedelung unseres Grundstückes durch die unterschiedlichsten Lebewesen beobachten. Bei unserem ersten Besuch im März präsentierte sich die „Littlewood-Ranch“ noch eher als Mondlandschaft. In den folgenden Wochen explodierte jedoch das Leben und es war faszinierend diesen Prozess mitverfolgen zu können. Zum Ende des Sommers waren die drei Teiche mit dichtem Grün umwachsen und unzählige Lebewesen hatten diesen neuen Lebensraum erobert. Besonders beeindruckend war die Vielfalt an Amphibien: Laub-, Teich- und Wasserfrösche, Gelbbauchunken und Erdkröten tummelten sich in den Teichen. Ebenso vielfältig zeigten sich Libellen: Wir konnten mindestens zehn Arten beobachten.
Auch die Vogelwelt hatte unser Grundstück schnell entdeckt. Graureiher, Weißstörche, Zwergtaucher, Teichhühner und mehrere Eisvögel besuchten uns fast täglich.

Im Juli 2014 hat die Natur auf der „Littlewood-Ranch“ Einzug gehalten!
Dichte Bestände von Blutweiderich säumen die Teiche und in der Luft schwirren unzählige Libellen.

Heidis ganzer Stolz: Unser Trockenbiotop wurde bald von Gottesanbeterinnen und Eidechsen besiedelt.

Das abschließende Projekt für das Jahr 2014 war der Bau einer Eisvogel-Brutwand:
Nachdem der Besatz der Teiche mit heimischen Kleinfischen gut funktioniert hatte und mehrere Eisvögel sich hier ihr Futter holten, beschlossen wir einen Versuch zu wagen. Wir wollten den Eisvögeln eine künstliche Brutwand als Ersatz für die fehlende natürliche Brutmöglichkeit anbieten. Zu Hause in Tirol hatten wir die Teile dafür vorbereitet und bauten diese dann vor Ort zusammen. Es dauerte nur wenige Tage und der erste Eisvogel hatte unser Bauwerk entdeckt! Jetzt warten wir gespannt auf den nächsten Frühling um zu sehen, ob unsere Hilfestellung auch angenommen wird.

Im Herbst dieses Jahres waren unsere Umbau- und Gestaltungsarbeiten weitgehend fertiggestellt! Abschließend können wir ein durchwegs positives Resümee ziehen. Alle geplanten Vorhaben konnten wir erfolgreich umsetzen und die schnelle Besiedelung durch die unterschiedlichsten Lebewesen bestätigten unsere Bestrebungen. Wir sind schon sehr gespannt was das Jahr 2015 und die nachfolgenden Jahre bringen werden!

Abschließend noch die Erklärung des Namens „Littlewood-Ranch“: Da es sich bei diesem Projekt doch um ein umfangreicheres Vorhaben handelt, haben wir versucht einen Namen dafür zu finden. Zuerst ist uns nicht wirklich etwas originelles eingefallen, doch dann kam die Idee: Littlewood = kleines Holz = Hölzl

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