Artikel 2013-6: Im Dunkel der Nacht

Seit vielen Jahren helfe ich, gemeinsam mit einigen Freunden, heimischen Greifvögeln mit einer unterstützenden Fütterung über die kalten Wintermonate. Besonders wenn viel Schnee liegt, haben es diese Vögel schwer Beute zu machen.
Um unsere Besucher kontrollieren zu können, haben wir an der Fütterung eine Beobachtungskamera installiert. Diese zeichnet rund um die Uhr alle Bewegungen auf und speichert dazu das Datum und die Uhrzeit. So wissen wir ganz genau, wer unser Futter frisst und wann das passiert. Während des Tages macht die Kamera Bilder in Farbe, bei Dunkelheit werden Schwarz-Weiß-Bilder aufgezeichnet.
Bei Tageslicht kommen Mäusebussarde, manchmal ein Habicht, aber auch Eichelhäher, Spechte und kleine Singvögel zu unserem Futterplatz. Hin und wieder besuchen uns auch absolute Raritäten wie ein Adlerbussard. Während der Nacht tauchen Marder, Füchse und mit einer großen Regelmäßigkeit Uhus auf. Sobald es dunkel ist, Ende Dezember passiert das um ca. 17.00 Uhr, fliegen die großen Eulen am Futterplatz ein.

Das Schwarz-Weiß-Bild der Beobachtungskamera, automatisch aufgezeichnet und mit Datum und Uhrzeit versehen.

Heidi und ich wollten diese imposanten Tiere einmal „live“ erleben, deshalb starteten wir ein kleines Experiment. Wir setzten uns bei einsetzender Dämmerung in unsere Beobachtungshütte und verhielten uns so ruhig wie möglich. Um exakt 17.05 war es dann soweit, es ertönte mehrmals ein „Uhu Uhu“ von einem nahen Baum und fünf Minuten später landete die erste Eule. Bei fast vollkommener Dunkelheit konnten wir mit freiem Auge nur mehr die Umrisse des Uhus erkennen. Ein fotografischer Versuch brachte ein erstaunliches Ergebnis:

Seit vielen Jahren verbindet mich vieles mit diesem Uhupärchen. Ihr Brutplatz liegt ganz in der Nähe unserer Winterfütterung. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder unterschiedliche Probleme, öfters störten Sportkletterer die Brut der Eulen. Mehrmals haben die Tiere deshalb ihre Aufzucht abgebrochen.

Auch mehrere Unfälle führten zu Brutausfällen. Einmal geriet ein Uhu in den Stromkreis einer Hochspannungsleitung, ein anderes Mal kollidierte einer der Vögel mit einer Lokomotive.

Deshalb war es für mich ein ganz besonderes Erlebnis, ein solch wunderbares Tier aus der Nähe betrachten zu können!

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