Artikel 2017-1: Vom Duft angelockt!

In den letzten Tagen durften wir eine ganz besondere Beobachtung machen! Wir hatten vergangenen Sommer einen Strauch voller winziger Raupen gefunden und drei davon mitgenommen. Wir fütterten die Tiere bis sie sich verpuppten und stellten sie über die Wintermonate in unsere Garage. Dort bleibt die Temperatur immer knapp über dem Gefrierpunkt und es herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Anscheinend optimale Bedingungen, denn jetzt schlüpften drei wunderschöne Schmetterlinge! Schon durch die Bestimmung der Raupen wussten wir, daß es sich um das Kleine Nachtpfauenauge handelte. Zwei weibliche Falter und ein männliches Insekt verließen ihre Puppenhülle und entfalteten vor unseren Augen ihre Flügel.
Dieses Schlüpfen ist hoch interessant: Die Puppe liegt geschützt in einem harten Kokon, der Falter bricht die innere Hülle auf und injiziert in die winzige Kokonöffnung eine spezielle Flüssigkeit. Diese weicht das harte Material auf und macht es für kurze Zeit weich. Schnell schlüpft das Insekt hindurch und kann so auch diese äußere Schutzhülle verlassen.
Wir fotografierten die Schmetterlinge! Eines der beiden Weibchen wollten wir gleich nach dem Schlüpfen in die Freiheit entlassen und stellten sie auf das Fensterbrett auf unserer Terrasse. Doch das Tier flog nicht davon sondern blieb zwei Tage lang an seinem Zweig hängen. Dann war plötzlich ein Männchen da! Das Weibchen hatte es mit einem Duftstoff angelockt. Diesen können die männlichen Schmetterlinge über mehrere Kilometer wahrnehmen und finden dadurch zielsicher ihre Partnerinnen.
Das männliche Insekt umflatterte stundenlang das Weibchen und anscheinend kam es dabei auch zu einer Paarung – am nächsten Morgen war der weibliche Falter dann verschwunden! Irgendwo werden jetzt wohl Eier an einem Strauch kleben.

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