Artikel 2016-2: Die Balz der Birkhühner

Birkhühner sind bezaubernde Gebirgsvögel. Sie sind aber unheimlich scheu und es gibt eigentlich nur eine einzige Möglichkeit sich auf Fotodistanz, das sind ca. 10 Meter für ein bildfüllendes Ergebnis, den Tieren zu nähern. Ausschließlich während der Balzzeit hat man diese Chance. Während weniger Wochen im Frühling kann man als Tierfotograf zum Erfolg kommen.
Die zu den Rauhfußhühnern zählenden Birkhühner nutzen über viele Generationen die selben Plätze für ihre Balztänze. Innerhalb dieser Plätze gibt es aber immer wieder leichte Verschiebungen der Orte wo dann wirklich gebalzt wird. Zu finden sind diese durch eine vorherige Beobachtung aus großer Entfernung – oder man sucht nach den Fußspuren und Ausscheidungen der Vögel. Diese markieren dann den bevorzugten Platz.
Für uns bedeutet das folgendes: Ein gut getarntes Versteck muss schon am Vortag errichtet werden. Wir verwenden dazu oft ein kleines Tarnzelt und dekorieren es zusätzlich mit Zweigen der Latschenkiefer. Diese Pflanze wächst meistens rund um die Balzplätze der Birkhühner und dadurch fällt unser Zelt kaum auf. Eine zweite Methode zu einem guten Versteck zu kommen, ist der Bau eines Iglus. Dazu graben wir ein etwa einen Meter tiefes und kreisrundes Loch in den Schnee, so groß, daß wir beide darin Platz finden. Das Aushubmaterial formen wir zu einem Wall rund um diese Vertiefung. Dann montieren wir flexible Zeltstangen über dieses Bauwerk und spannen ein weißes Tuch darüber. So entsteht ein unsichtbares Versteck, zumindest für die Vögel.
Unsere letzte Birkhahnfotografie liegt schon einige Jahre zurück, und so wollten wir in diesem Jahr einen neuen Versuch starten. Ganz in der Nähe unseres Heimatortes wissen wir einen Balzplatz, der sich perfekt für die Fotografie eignet. Die ersten Strahlen der Sonne erreichen diesen Ort in einem flachen Winkel und beleuchten das schwarze Gefieder der Hähne in idealer Weise. Gleichzeitig wir der Schnee nur schwach beleuchtet und so werden die hohen Helligkeitsunterschiede für die Kamera gut bewältigbar.
Für uns ist die Fotografie der Birkhühner sehr anstrengend, besonders wenn wir mehrere Tage hintereinander unterwegs sind. Schon um 2.30 Uhr läutet der Wecker, um 3.00 Uhr fahren wir eine steile Bergstraße hinauf und erreichen um etwa 3.30 das Ende der Straße. Dort beginnt der einstündige Aufstieg zum Balzplatz. Schnell verschwinden wir dann im Versteck, denn noch bei vollkommener Dunkelheit fliegen die ersten Hühner am Balzplatz ein. Als Fotograf wird man dann auf eine harte Geduldsprobe gestellt! Meistens dauert es an die zwei Stunden, bis aus dem ersten zaghaften Licht des Tages ein vernünftiges Fotolicht geworden ist. Während dieser Wartezeit kann man jedoch einem faszinierendem Schauspiel beiwohnen! Unter lautem Zischen und Rollen tanzen die Hähne um die Gunst der Weibchen. Ist das Tageslicht stark genug, kann das Fotografieren beginnen! Dazu bleibt meistens nicht sehr viel Zeit. Schon bald ziehen sich die Hähne zur Balz auf die umliegenden Bäume zurück.
Für uns stellt die Fotografie der Birkhuhnbalz einen absoluten Höhepunkt im Verlauf eines Jahres dar! Das einmalige Erlebnis entschädigt uns immer wieder für die Mühen.

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